Geschichte

Pastor Hans Hartung schreibt in „Vergangenheit von Gernrode“ :

„ Unter den mannigfachen Archivalien, die die Zerstörung 1. durch vergangene Geschlechter oder der Entführung in andere Archive entgangen sind, befindet sich auch eine alte Ratsordnung für die Seilschaft und Brüderschaft der Schützen.

Sie zeigt leider keine Jahres- noch Tageszeichnungen, auch ein Siegel fehlt, wie jede Angabe von Namen. Trotzdem läßt sich aus dem Charakter der Schriftzüge, wie an sonstigen Merkmalen, mit Sicherheit erkennen, daß sie im 15. Jahrhundert ausgestellt wurde.

Einer der hervorragensten Kenner der Schützengilden, der Archivat
Dr. D. Ed. Jacobs, hält sie für in den Jahren 1450-1460 niedergeschrieben. Aus dieser Urkunde geht einwandfrei hervor, daß die Schützengesellschaft Gernrode nicht erst eineinhalb Jahrhunderte alt ist, auch nicht bloß seit dem 30jährigen Krieg besteht, sondern bereits im 15.Jahrhundert vorhanden war.“

Die Mitglieder der Schützengesellschaft gehörten zum größten Teil dem Mittelstand an. Jeder Bürger, ob Handwerker oder Kaufmann, konnte in die Gilde aufgenommen werden, vorausgesetzt, daß er sich keines unehrenhaften Vergehens schuldig gemacht hatte.

An der Spitze der Gesellschaft standen Vorsteher, später um 1500 Schützenmeister und um 1700 wurden sie Offiziere genannt. Ihre Wahl erfolgte von der Gesamtheit der Mitglieder und zwar am 20.Januar, dem Tag des Märtyrers Sankt Sebastian, den sich die Schützen, wohl um der Pfeile willen mit denen er dargestellt wird, als Schutzpatron gewählt hatten.

 

Der erste Vorsteher der Gernroder Schützengilde, dessen Namen man kennt, war Vincens „Schütze Meister“, er erwarb 1582 das Bürgerrecht.

Nach mündlicher Überlieferung sollen sich die Schützen von Gernrode im 30jährigen Krieg durch Mut und Tapferkeit ausgezeichnet haben, im Landgraben, welcher damals mit Dornen bewachsen war, Stellung genommen und mehrmals die feindlichen Truppen von der Stadt abgewehrt haben. Die Waffe der Schützen war ursprünglich die Armbrust. Da diese öfter Reparaturen bedurfte, hatte jede Stadt auch einen Armbruster.

Als 1515 die Radschloßbüchse und danach die Schnapphahnflinten erfunden worden waren, trat an stelle der Armbrust mehr und mehr das Feuergewehr.

Für Gernrode wurde Büchsenschießen zum ersten Mal 1585/87 urkundlich belegt.